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(1. Prüfungsbericht:)
Die mir übertragene Prüfung der Metzgerei, Fleisch- u. Wurst GmbH, Inh. Fr. Dolora in Ludwigshafen wurde heute am 12-03-05/ 16.00 durchgeführt.
Die genannte Firma war in den vergangenen Jahren ohne Beanstandungen, sodass vor einigen Wochen via Mail versucht wurde die Hintergründe, in Hygienischer und Arbeitssicherheits- technischer Sicht , zu hinterfragen. Die Auskünfte erfolgten eher dürftig und teilweise sehr ”kurz”. (z.B. auf die Frage, wie denn so ein Schlachtvorgang abläuft, kam lediglich Zitat ” die Sau wird eben geschlachtet”. Mein Misstrauen, dass da nicht alles O.K. sein kann, wurde auch in einem persönlichen Telefonat mit Fr. Dolora nicht vollkommen entkräftet, sodass ich beschloss, der Sache selbst auf den Grund zu gehen, also eine persönliche Kontrolle des Betriebes vornahm.
Um jedwede Möglichkeit eventuelle Nachlässigkeiten zu vertuschen auszuschliessen, meldete ich mich als Kunde, der noch ein Schweinchen zu schlachten hätte an. Die Chefin, eine sehr hübsche Frau (Anm. des Verfassers), des Hauses empfing mich sehr sehr freundlich, natürlich, sie konnte ja meine Prüfungsabsichten nicht ahnen, und führte mich in den Mitarbeiteraufenthaltsraum. Dort traf ich auch eine Mitarbeiterin, Frau Rubina, den Namen konnte ich Ihr durch geschickt gestellte Fangfragen herauslocken. Frau Rubina, nebenbei bemerkt ebenfalls sehr hübsch, befand sich in Arbeitskleidung; Saubere Kleidung, saubere Gummistiefel, aber die Bluse sehr lässig über die Hose hängend. Na also mein Eindruck hatte sich erhärtet, da geht’s sehr locker zu. Die Chefin dürfte irgendwie was mitbekommen haben, wollte mich weglocken und wollte mir das Haus zeigen. Eigenartigerweise ging Sie mit mir in den Keller, alles korrekt dachte ich, aber was soll ich im Keller, den Schlachtraum will ich sehen, und so lenkte ich sehr geschickt das Thema auf das Schlachthaus, so dass Fr. Dolora kaum mehr ausweichen konnte. Sie willigte ein, dass ich bei der Schlachtung meines gelieferten Schweinchens anwesend sein darf. Plötzlich kam die Gesellin herein und berichtete, dass die Sau abgehauen sei. Nein, dachte ich, so kommen die nicht durch, ich bestand auf der Besichtigung des Schlachthauses. Die Damen tuschelten hinter meinen Rücken. AHA, dachte ich, die versuchen was zu verbergen, aber ich komm dahinter. Umso überraschter war ich, als mich die Chefin aufforderte meine Strassenkleidung abzulegen, denn so komme bei ihr niemand ins Schlachthaus! Vorbildlich dachte ich, aber noch mehr staunte ich, als Sie mich auch auf die hausinterne Duschvorschrift hinwies, ohne Duschen geht gar nichts, meinte Sie! Die Sache fing an mir zu gefallen, mit soviel Eigeninitiative in Hygienischer Sicht hatte ich nicht gerechnet. Aber na ja, nur nicht blenden lassen, dachte ich, der Bericht wird erst am Abend geschrieben. Beeindruckend ging es weiter, die Gesellin Rubina rief die soeben eingetroffene betriebsinterne Tierärztin herbei und forderte Sie auf von mir eine Probe zu entnehmen, etwas überzogen dachte ich, aber ich als Arbeitsinspektor könnte doch nicht verweigern was ich woanders verlange ! Im Dienste der Sache, schliesslich will ich ja einen objektiven Bericht schreiben, und noch hatte ich nicht die Hauptsache, das Schlachthaus gesehen, also liess ich diese Prozedur über mich ergehen. So, dachte ich, nun haben die keine Ausrede mehr !
Mir fiel auch auf, dass die Damen plötzlich sehr kooperativ waren und mich nun förmlich drängten, ins Schlachthaus mitzukommen. Vor allem bei Fr. Rubina konnte ich die Enttäuschung förmlich spüren, als sie versuchte mir zu erklären, wie eine Sau geschlachtet wird, aber die Sau war ja weg;
Die Chefin hatte dann die verwerfliche Idee, ich könnte doch ....? Nein selbstverständlich nicht! konterte ich entschieden und verlangte nun endlich meinen Arbeitsmantel, andererseits nun war ich nun endlich im Schlachthaus und die Beiden taten mir richtig leid, sooo gern hätten Sie mir gezeigt, wie gewissenhaft Sie arbeiten! Na komm, dachte ich, die bemühen sich jetzt so, ich will einen objektiven Bericht, schliesslich weiss man, was positive Motivation alles bewirken kann; Die Chefin meinte, ich soll nicht so sein und eine Sau muss heute noch geschlachtet werden und hängen; Sie war gerade dabei eine Art Badewanne herzurichten, eigentlich hat sie recht, dachte ich, schliesslich habe ich nun schon eine halbe Stunde gearbeitet, unter grosser Anspannung, das wird die Chefin gemerkt haben, ich soll mich entspannen und durchhängen lassen, meinte sie, und der Bericht sollte ja auch ein Ende finden, also komm Gerhard, sei mal nicht so, ein kleines Bad was solls. OK dann stelle ich mich eben mal kurz zur Verfügung. Aber jetzt übertreiben sie, dachte ich, als mir eine der Damen einen Hygieneschutz über mein bestes Stück stülpte und ihn auch noch frech Schniedelwutz oder so nannte, das Entspannungsbad war echt angenehm, aber das mit dem durchhüngen hatte ich mir schon anders vorgestellt, aber Dienst ist Dienst, da musst du durch Gerhard, die freuen sich doch so, mir alles über ihre Arbeit zu zeigen, natürlich standen nur Hygienische und Arbeitssicherheitstechnische Überlegungen bzw. die Prüfung im Vordergrund.
.....und ich muss gestehen, sie bemühten sich sehr mir ihre Arbeit möglichst authentisch vorzuleben ! Natürlich alles für meinen Bericht.
Dass dieser Job einer Schlachterin so anstrengend ist, hatte ich mir bis jetzt nicht vorgestellt, natürlich hatte ich auch nicht die Möglichkeit, alles so hautnah mitzuerleben. Die Damen knieten sich richtig hinein (drauf) und waren mit viel Spass bei Ihrer Arbeit, was meine positive Motivation so alles bewirkt, hat mich selbst überrascht.
Hoffnungslos überzogen fand ich jedoch dann die Aufforderung von Fr. Dolora, noch etwas Saft abzugeben, natürlich nur, um bis zum Schluss zu zeigen wie vorbildlich hier gearbeitet wurde. Na was solls, sagte ich mir, dann hast du wirklich alles für deinen Bericht, und so geschah es ......
Aber ich hatte erreicht was ich wollte .... ich hatte alle Fakten für den abschliessenden Bericht:
Abschliessender Bericht:
Entgegen meinem ersten Eindruck (etwas salopp gekleidete Gesellin), entpuppte sich der Betrieb als vorbildlich; die Belegschaft war nach anfänglicher Zurückhaltung sehr kooperativ und zuvorkommend; Aus meiner Sicht (Sicht der Arbeitsinspektion) kann dem Betrieb nur bestes Zeugnis ausgestellt werden.
Aber irgendwie kam mir bei der Sache etwas komisch vor, aber was ???????
Ich werde daher nochmals, ebenfalls unangemeldet, eine neuerliche Kontrolle des Betriebes vormerken.
Dauer der Amtshandlung 4/2 Stunden
Der Prüfer
Gerhard
ergeht DU/ persönliche Ablage
Fa. Dolora
(Antwortschreiben von Metzgerin Dolora)
An den Arbeitsinspekt. Gerhard
Betreff: Ihr letztes Schreiben.
Wie ich schon geschrieben habe: Sie können so lange suchen, wie Sie wollen. Da können Sie sich noch körperl. so anstrengen! Sie werden nur Schlachtschweine finden und sehen. Sauberkeit und Hygiene sind das oberste Gebot.
Wir haben gar kein Grund zu jammern. Sie werden zum Schluss wimmern und jammern. Wenn wir eine Sau zweimal schlachten wollen, dann machen wir das auch! Ob junge Schlachtsau oder ein älterer Eber, der Schniedelwutz kommt ab. Gesellin Rubina und ich, Metzgerin Dolora wissen genau, wie wir mit Ebern umzugehen haben!
Wir brauchen Ihre Ratschläge nicht! Sparen Sie Ihre Energie, bis Sie bei uns sind. Die Gesellin Rubina wird auch da sein.
Metzgerin Dolora
(Brief von Prüfer Gerhard)
Sehr geehrte Frau Dolora,
Sehr geehrte Frau Rubina
Sg. Mitarbeiter !
Zu Ihrer Antwort möchte ich festhalten , dass mir Ihre Drohungen in keiner Weise Angst machen; wenn Sie glauben, Ihre brutalen Androhungen können mich abhalten meiner Prüfungstätigkeit nachzukommen, dann irren Sie sich gewaltig. Ich werde dahinter kommen was bei Ihnen “faul” ist ! Selbst unter grösstem körperlichen Einsatz ! Alles für die Arbeit, ist meine Devise.
Dementsprechend werden Sie wieder mit mir rechnen müssen! Aber dann möchte ich nicht Ihr Wimmern und Jammern hören, Ihr bitten um Gnade wird nichts nützen, und noch etwas !
Wenn Sie glauben, ich könnte mich nicht wie eine Sau benehmen, dann irren sie sich !!
Ich biete Ihnen jedoch an alles einvernehmlich zu besprechen und werde ausnahmsweise den Termin vorab mit Ihnen abklären.
Terminvorschlag: 9.3.05 14.00 Uhr
... es erübrigt sich noch zu erwähnen, dass ich davon ausgehe, dass auch Ihre Gesellin Fr. Rubina bei dieser Prüfung anwesend sein muss.
....... ausserdem wie sollte denn das funktionieren, dass ein Schwein 2x geschlachtet wird ??
Tierquälereien sind zudem verboten, Schniedelwutzabtrennungen bei lebendigem Leib sind nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt. Zudem muss bei älteren Ebern ein spezieller “Kastrationsbock” vorhanden sein, sollte er vor der Schlachtung noch ein paar Tage vorher kastriert werden.
Aufgrund meiner Erfahrung kann ich nur abraten einen älteren Eber zu kastrieren, der wird sich ganz schön wehren und muss vorne entsprechend niedergehalten bzw. eingezwickt werden, von einer kräftigen Person, die natürlich mit einer Gummischürze geschützt sein sollte, also Vorsicht !!!
Sie sehen ich bin durchaus realistisch und weiss, dass in der Praxis nicht immer alles 100 % sein kann. Alles übrige werden wir beim Termin besprechen, es gibt sicher eine Lösung.
Gerhard
Amtsrat Gewerbebehörde/Arbeitsinspektorat
(Antwort von Metzgerin Dolora)
An den Prüfer Gerhard
Betreff: Ihre Prüfung der Metzgerei, Fleisch und Wurst Dolora GmbH, in Ludwigshafen.
Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie eine weitere Inspektion machen müssen, so machen Sie das. Wir haben in unserem Schlachthaus Dolora nichts zu verbergen. Sie können so lange suchen, bis Sie schwarz sind. Sie werden ausser geschlachteten Schweinen nichts anderes finden. Was die Kleidung betrifft, die Gesellin Rubina trägt immer sehr locker Ihre Bluse. Das hat Sie aber nicht zu interessieren. Sie können jederzeit auch unangemeldet, oder angemeldet Ihre Kontrolle machen. Ich erwarte Sie.
Mit freundlichen Grüssen Dolora
(2. Prüfungsbericht:)
Prüfungsprotokoll:
geprüfte Firma: Fa. Dolora, Fleisch u. Wurst GmbH.
Inh. L. Dolora, Metzgermeisterin
Raum Hassloch, Industriegebiet Süd
Betriebsstätten-Genehmigung:
Auf Antrag der zuständigen Behörden bzw. auf Antrag der genannten Firma fand am Freitag, dem 03.06.2005, /14.00 Uhr eine Besichtigung der neuen Betriebstätte statt.
Errichtet werden sollen:
Schlachtraum mit div. Einrichtungen, Auffangboxen, event. Zerlegeraum und die Verbindungs- gänge zu den genannten Räumlichkeiten. Der neue Schlachtraum der genannten Firma befand sich gerade in der Fertigstellungsphase.
Es kann jedoch jetzt schon festgehalten werden, dass dieser Schlachtraum, der vorrangig zum Schlachten von Mastschweinen und Mastebern verwendet werden soll, allen Anforderungen hinsichtlich Hygiene und auch allen arbeitsrechtlichen Vorschriften entspricht.
Die Sonderbewilligung auf Durchführung von Notschlachtungen wird ebenfalls bedenkenlos erteilt.
Empfohlen wurde der Inhaberin noch im Vorraum zum Schlachthaus Möglichkeiten zu schaffen, um dort die zahlreichen Utensilien (Schürzen, Schlachterstiefel, Bolzenschussapparat, Handschuhe, Messer und Messerköcher usw.) entsprechend unterzubringen.
Erwähnt wird noch, dass die orangenen Gummischürzen nur zum Zerlegen oder im Mastbetrieb, der ebenfalls dem Schlachthaus angeschlossen ist, verwendet werden dürfen. Zum Schlachten sind ausschliesslich weisse Gummischürzen, die möglichst bis zu den Stiefelspitzen gehen sollten, zu verwenden.
Die Auffangboxen, die Gänge und die anderen Räume sind in einwandfreiem Zustand.
Aufgrund der Grösse des Schlachthauses sowie der Ausstattung ist ein reibungsloser Ablauf von Schlachtungen auch mit mehreren Metzgerinnen bzw. die Ausbildung von Azubis ebenfalls zu bewilligen.
Nach Fertigstellung des Schlachthauses hat eine Endabnahme, mit Probeschlachtung zu erfolgen.
Dauer der Amtshandlung 3/2 Stunden
Prüfer: OAR Gerhard
die Kosten der Prüfung werden gesondert vorgeschrieben
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